Röbel /Müritztour 2014

Ein Bericht, der das Wechselbad der Gefühle mit Bruch, Schietwetter und unglaublich schönen Segeltagen kombiniert und unsere tollen Erfahrungen wiederspiegelt.

 

Anreisetag: Da Gerd für uns einen Krantermin vereinbart hatte, starteten wir kurz nach 7.00 Uhr bei dickem Nebel in BRV. Reifendruck kontrolliert, schnell das Navi gefüttert und ab Richtung Müritz.

Erster Rückschlag auf der Raststätte Gudow, denn als wir uns bei Stefan telefonisch erkundigen wollten wo Gerd und er schon sind, wurde mir beim Abheben der Gegenseite schnell klar, dass ich nicht im Auto anrufe. Stefan erklärte, dass er wegen eines kurzfristigen Krankenhausaufenthalts leider nicht mitkommen konnte. Da waren es nur noch 6!!! Den zweiten Schlag bekam ich beim Kontrollieren der Felgen des Trailers, ein Rad kalt, eins aua, Hand verbrannt, Bremse heiß gelaufen. Mit Selters runter gekühlt, ganz doof geguckt, Außenspiegel auf das Rad justiert und mit voller Hose und ein Auge aufs Rad weiter. Ankunft an der Marina Röbel um 12.15 Uhr, der Kranfahrer hat noch bis 15.00 Uhr Mittag, na klasse. Nach und nach trudelten die anderen ein. Das Kranen verlief super und wir bezogen die Liegeplätze, noch schnell die Masten gen Himmel, aber bei mir hatte sich wiedermal der Fehlerteufel eingeschlichen. Zum Abstecken des Profilstags fehlten 5 cm. Beim überprüfen der Schraubterminals stellte ich fest, dass sich ein Terminal an der Wantaufnahme verhakt hatte, und selbiges jetzt c-förmig verbogen war. Also begab man sich zu Fuß zum nächsten Ausrüster um Ersatz zu besorgen. Der nächste Gang zum Ausrüster wurde von Andreas bestritten, welcher auf einmal ein zweiteiliges Paddel hatte: Bei dieser Gelegenheit konnte er gleich mein Terminal von Rechts- auf Linksgewinde umtauschen. Endlich waren die Boote fertig. Nun war es aber zu spät zum Segeln, da wir ja noch in der JH einchecken mussten. Danach noch gemeinsames Abendessen und die erste Weinprobe.

 

Tag 2: Als Tagesziel wollten wir Sietow ansteuern um dort in der Marina zu Essen. Leinen los, Segel hoch und wir freuten uns alle auf das Bevorstehende. Kurz nachdem wir den Hafen verlassen hatten, fiel  mir auf, dass Andreas und Steffi  irgendwie ganz komisch segelten. Michael und ich drehten um und guckten nach den beiden. Ein Pinnenbruch auf der Mikrobe war des Rätsels Lösung. Wir nahmen Steffi an Bord und verfolgen Gerd, der schon nicht mehr zu sehen war. Andy wollte noch schnell eine neue Pinne bauen und dann hinterher kommen. Bald hatten wir Gerd wieder vorm Bug. Navigiert wurde nach Sicht, was mit der Seekarte welche wir mit Klebeband auf dem Schiebeluk befestigt hatten und der guten Betonnung kein Problem war. Bei Sonne und 2-3 Bft fuhren wir weit auf die Müritz raus während Gerd unter Land segelte. Irgendwann verloren wir uns aus den Augen, war ja eigentlich egal, denn wir hatten ja dasselbe Ziel. Aus dem Nichts, tauchte die Mikrobe wieder hinter uns auf. Zusammen machten wir in der Marina fest und begaben uns auf die Freßmeile. Wir warteten mit dem Essen natürlich bis Gerd und Marian eintrafen. Als wir wieder komplett waren, genossen wir im Schatten die kulinarischen Köstlichkeiten der Meile, und sahen wie sich der Wind immer mehr verabschiedete. Wir traten den Rückzug an, und merken dass sich meine schöne Seekarte verabschiedet hatte. Ob es jetzt der Wind war oder ob es sich um Diebstahl handelte, konnte nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Egal, die von Stefan war ja noch über. Mit sehr wenig Wind, kreuzten wir wieder Richtung Müritz. Da wir spät dran waren, wollten Michael und ich abkürzen und verließen das Fahrwasser. Hatte Andreas nicht beim Essen erzählt, dass er mit dem Schwert zwei Steinen den Kopf gespalten hatte? Ein schneller Blick über Bord: OHA, Bodensehqualität !!!Die Notwende verhinderte hier eine Grundberührung. Manchmal hatten wir auch Glück. Der Wind hatte den Namen nicht mehr verdient, also Motor ins Wasser und Gas. Der Tank wurde immer leerer, also nachfüllen. Der Motor verschluckte sich am Maritimen Zweitaktöl( kannte er wohl nicht)und ging aus. Nach einer Weile lief er wieder, allerdings nur noch mit Choke. Wohlbehalten aber spät kamen wir in Röbel an. Noch schnell Klarschiff gemacht, und ab in die JH zum Duschen,  Essen und die nächste Weinprobe stand an.

 

Tag 3: Schnelles Katerfrühstück und ab zu den Booten. Lockere Bewölkung mit viel Sonne, moderaten Temperaturen von 22 Grad und 3-4 Bft versprachen tolles Segelwetter. Als Tagesziel hatten wir uns das Schloss in Klink ausgesucht. Leinen los und mit halben Wind Richtung Große Müritz. Dort angekommen, konnten wir hart am Wind den Tonnenstrich entlang segeln bis die Hafeneinfahrt in Sicht kam, Fock einrollen, Fender und Festmacher klar machen, Motor an und das Groß bergen. In fremden Häfen ist es immer spannend. Wir tasten uns  vor, um einen Liegeplatz zu suchen, wobei die Beschilderung nicht grade hilfreich war, denn hier lagen nur Schiffe über 10m, also rückwärts raus aus der Boxengasse und weiter suchen. Guck mal, da liegt auch eine Dehlya, da sind wir richtig. Nach einem sahnemäßigen Anleger machten wir Klarschiff und meldeten uns beim Hafenmeister. OHHH, da könnt ihr aber nicht liegen bleiben, das sind alles Boxen für Dauerlieger. Habt ihr das Gastliegerschild denn nicht gesehen? (War ja eigentlich schon vorher klar, Murphys Gesetz) Also noch mal das Ganze. Das Hinweisschild konnte von uns nicht entdeckt werden, da es von einer großen Motoryacht aus Gnarrenburg verdeckt wurde. Wir sind fertig zum Landgang, als Gerd und Marian unter Groß und Motor in den Hafen kamen und versuchten vorm Wind anzulegen, trotz äußerster Kraft zurück drückte  der Wind die beiden lautstark an den Steg. Noch lauter waren allerdings der Nachbarlieger der mit seiner Frau eine Hasstirade nach der anderen im schönsten Dialekt Richtung Gerd schickte, woraufhin wir im klarsten Hochdeutsch erwiderten, dass die besten Kapitäne bekanntlich immer an Land sitzen!!! Während wir zu Mittag aßen, frischte der Wind bös auf. Es baute sich rasch eine Welle mit Schaumkronen auf und die Fallen im Hafen spielten das Lied von 4-5 Windstärken. Das war der Zeitpunkt an dem Gerd unruhig wurde und den Heimweg schnell hinter sich bringen wollte. Andreas und ich hatten ein wenig mehr Ruhe oder Freibord, also folgten wir ein wenig später. Beim Ablegen noch ein wenig Hafenkino, denn ich hing so lang wie ich war mit dem Oberkörper auf einem Heckdalben und versuchte den Kontakt mit meinem Boot zu behalten, bei ordentlich Wind von vorne nicht ganz einfach. Wieder auf See wurden wir dann aber belohnt. Mit einer elbähnlichen Welle von Querab konnten  wir Raumschots nach Röbel fliegen. Die 11 Km absolvierten wir in exakt einer Stunde, was genau 6 Knoten entspricht, wenn man noch das Ab- und Anlegen abzieht, war das ein rekordverdächtiger Ritt für unser Schiffchen. Abendessen genossen wir in Röbel am Binnensee auf den Seeterrassen, wo wir diesen herrlichen Tag noch mal revuepassieren ließen und es hätte 2 ordentlicher Ohrfeigen bedurft  um uns das breite Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen.

 

Tag 4: Furchtbares Wetter mit Regen 13 Grad Tagestoptemperatur und einer Starksturmwarnung bescherten uns den ersten Hafen Tag. Ich nutzte das Wetter um den Trailer reparieren zu lassen, während die anderen nach Waren fuhren. Als ich hinterherfuhr, kam ich an der Marina Eldenburg vorbei, wo es anscheinend brannte, denn es hing ein riesiger Rauchpilz über dem Hafen. In Waren angekommen wurde erst mal flaniert und geshoppt. An der Hafenpromenade ließen wir uns im Windfang lecker bewirten. Das war gleichzeitig der Abschied von Marian, der noch nach Poel wollte um seine neue Jolle Richtung BRV zu schleppen. Da waren wir nur noch 5!!!!Auf der Rückfahrt betrieben wir in Eldenburg noch ein wenig Katastrophentourismus. Denn uns kam eine ehemalige ca. 12 Meter lange Motoryacht auf einem Tieflader entgegen, welche vom Feuer zu einem unförmigen GFK-Klumpen umstrukturiert wurde. Aus der Zeitung erfuhren wir am nächsten Tag, dass aus noch ungeklärter Ursache eine Yacht Feuer fing und der starke Wind dass das leeseitige Boot in Mitleidenschaft zog. Umsichtige Mitarbeiter der Marina sprangen sofort ins Wasser  und kappten sämtliche Leinen um die übrigen Schiffe zu schützen. Die beiden Yachten waren nicht mehr zu retten und es entstand ein geschätzter Sachschaden von ca. 500.000 €.

 

Tag 5: Es wurde immer kälter, 10 Grad TTT, durch den Wind gefühlt wie 5 Grad und immer noch 5+ auf der Windskala. Nachmittags sollte es besser werden, also lungerten wir in der JH rum und warteten. Wir fuhren nach Röbel zur Marina und schauten mit immer längeren Gesichtern aufs Wasser. Es sollte doch besser werden. Pustekuchen. Also Mittagessen im Regattahaus der Marina. Es war  immer noch schietig, also nahmen wir Kaffee und Kuchen in einem Hotel mit Seeblick. Nach 3 Tagen trauten sich die ersten Segler wieder aufs Wasser, wir aber nicht, denn wir hatten in den letzten Tagen doch schon genug Bruch. Also wieder zur JH zum Essen. Ohh was war denn das? Der Wind nahm ab und die Sonne schaute durch die Wolken. Leider war es jetzt zu spät zum Segeln. Also noch ne ganz schnelle Weinprobe und ab ins Bett.

 

Tag 6: Das Wetter tat so, als wenn nie was gewesen wäre, Sonne und  3+ Bft mit ein paar Böen, schnell gefrühstückt und ab zum Hafen. Ich holte noch schnell den Trailer mit Michael von der Werkstatt ab. Gut das ich einen Arzt dabei hatte, denn beim Bezahlen bekam ich fast einen Kreislaufkollaps. Egal, nutzte ja nichts. Ab zur Marina, die anderen hatten ihre Boote schon fertig. Wir stellten einen neuen Rekord im Segelhissen auf und verfolgen die anderen. Bei super Wetter kreuzten wir der großen Müritz entgegen. Je näher wir Ihr kamen desto böiger wurde es. Eigentlich Zeit fürs erste Reff, aber wir hatten doch keine Zeit, denn im Gedanken hingen wir schon am Kran der um 15.00 Uhr auf uns wartete. Deshalb blieben wir auch in der Nähe. Freitag war  Brückentag, das merkten wir daran, das alles was schwimmen konnte unterwegs war. Es wurde ein würdiger Abschluss der Woche. Als alle wieder in der Box waren, fingen wir an die Boote zum Kranen vorzubereiten. Michael und ich legten den Mast in der Box, zeitgleich fuhr ein Jet Ski abwechselnd mit einer ganzen Schulklasse Probe, immer an unserem Heck vorbei, er fuhr zwar recht langsam im Hafen, machte aber trotzdem eine anständige Welle was uns das Mastlegen nicht gerade einfacher machte. Die ersten bösen Blicke meinerseits, als uns unerwartet der Wasserschutz zur Hilfe kam, welcher den Jetski samt Besatzung kontrollierte und mit gefühlten 2 Km/h in den Hafen begleitete, woraufhin erst mal Feierabend war. Nun lagen unterm Kran: Gerd, Andreas ein Jet Ski und der Wasserschutz. Wir machten die Leinen los um zum Kran zu fahren in der Hoffnung, dass sich das Gedränge darunter auflösen würde. Nach zwei Runden im Standgas durch den Hafen hatten wir endlich Platz. Da das Kranbecken sehr eng war, mussten wir darin um 180 Grad drehen, dabei vergaß ich dass mein Mast das Schiff am Heck um 3 Meter überragte. Ein Aufschrei von Gerd, und schon riss mir ein Dalben meine Windex vom Mast top. Das Kranen verlief für uns alle nach Plan. Kranen, verzurren und schwitzen. Danach gab es Eis und Kaltgetränke im Regattahaus. Verabschiedung bei der netten Hafenmeisterin und ab in die JH zum Essen, Packen und zur letzten Weinprobe. Am nächsten Morgen packten wir die Autos und steuerten ohne weitere Zwischenfälle der Heimat entgegen.